Fachbeitrag zum Rechtsgebiet Insolvenzrecht von
Rechtsanwalt Ronny Jänig

GmbH-Geschäftsführer müssen wieder Insolvenzanträge stellen

Ist mit vermehrten Unternehmensinsolvenzen zu rechnen?

Erst kürzlich wurden in Deutschland aufgrund der staatlichen Corona-Hilfen deutlich weniger Unternehmensinsolvenzen verzeichnet als noch zuvor. Dieser Abwärtstrend scheint jedoch nun mit dem Ukrainekrieg in Europa zu enden. Jetzt zeichnet sich ein erneuter deutlicher Anstieg der Firmenpleiten ab. Was GmbH-Geschäftsführer dazu jetzt wissen müssen, werden wir in diesem Beitrag näher beleuchten.

Corona & Ukrainekrieg setzen Unternehmen zu

In Folge der Corona-Pandemie sowie des Ukraine-Kriegs stellen steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und Versorgungsengpässe zahlreiche deutsche Firmen vor Herausforderungen. Nicht nur Subventionen und Kurzarbeit sollten den Firmen wieder auf die Beine helfen – auch die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit sollte zeitweise ausgesetzt werden.

Während des Zeitraums der Aussetzung mussten Geschäftsführer ausnahmsweise nicht ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen, eine drohende Zahlungsunfähigkeit unverzüglich zu melden. Normalerweise muss spätestens innerhalb von drei Wochen nach Eintritt der Insolvenzreife ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Ansonsten drohen eine umfangreiche zivilrechtliche Haftung oder gar strafrechtliche Konsequenzen.

Bislang Abwärtstrend bei Unternehmensinsolvenzen

Die staatlichen Hilfspakete zeigten bereits Wirkung: Im vergangenen Jahr gab es so wenige Firmenpleiten wie noch nie seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 – und das, obwohl die Insolvenzantragspflicht seit Mai 2021 wieder gilt. Ausnahmen galten bis Ende Januar noch für solche Betriebe, die im vergangenen Sommer Schäden durch Starkregen oder Überflutungen erlitten hatten.

Auch diese Sonderreglung ließ keinen signifikanten Anstieg der Insolvenzen erkennen. Im Januar wurden 4,6 % weniger Unternehmensinsolvenzen gemeldet als im Jahr zuvor. Insgesamt sind das rund 34 % weniger als vor der Corona-Pandemie im Januar 2020.

Jetzt: Neues Hilfspaket aufgrund des Ukrainekriegs

Nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurden allerdings 27 % mehr Insolvenzanträge gestellt als im Vormonat. Die Regierung sieht dort einen Zusammenhang, weshalb ein neues milliardenschweres Hilfspaket deutschen Unternehmern, die von den Folgen des Ukraine-Kriegs und hohen Energiepreisen besonders betroffen sind, zugutekommen soll (u.a. Kreditprogramme über die KfW und Energiekosten-Zuschüsse).

Skeptisch betrachtet wird das Vorhaben vom Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands. Es wird befürchtet, dass bei länger anhaltendem Energiepreisschub viele drohende Insolvenzen gerade im Mittelstand auch durch die vorgestellte Energiekostenförderung nicht verhindert werden können.

Insolvenzantragspflicht für Geschäftsführer wieder eingesetzt

Zurzeit müssen Geschäftsführer wieder regulär der Pflicht nachkommen, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen und die notwendigen Stufen zu durchlaufen. Wer derzeit von der Ukrainekrise betroffen ist, kann daher leider trotz sich abzeichnender Hilfsgelder nicht warten, bis diese beschlossen und verteilt sind.

Benötigen Sie rechtliche Beratung im Zusammenhang mit Geschäftsführerhaftung im Rahmen einer Insolvenz, stehen Ihnen die Anwälte von ROSE & PARTNER, insbesondere unsere Anwälte für Wirtschaftsrecht, grundsätzlich gerne zur Verfügung. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Webseite: https://www.rosepartner.de/haftung-geschaeftsfuehrer-insolvenz-gmbh.html

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Rechtsanwalt Dr.Ronny Jänig

Eingestellt am: 14.05.2022 [216]

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Rechtsanwalt
Dr. Ronny Jänig

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