Fachbeitrag zum Rechtsgebiet Steuerrecht von
Rechtsanwalt Helge Schubert

Erbschaftsteuer: Erbin verlangt Berücksichtigung von Steuerberaterkosten

Die Kosten für die Erstellung einer Steuererklärung können als abzugsfähige Posten bei der Erbschaftsteuer Berücksichtigung finden, so das Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg. Danach können die vom Erben gezahlten Steuerberaterkosten die Erbschaftsteuer mindern, wenn hierdurch eine bereits bestehende Verpflichtung des Erblassers erfüllt werde, so die Richter.

Sind die Kosten für den Steuerberater zu berücksichtigen?

Das FG Baden-Württemberg hatte jüngst über die Frage der Berücksichtigung unterschiedlicher Aufwendungen im Bezug zur Erbschaftssteuer zu urteilen.
In dem konkreten Verfahren hatte eine Erbin nach dem Tod ihres Vaters in der Erbschaftssteuererklärung Kosten für die Erstellung berichtigender Einkommenssteuererklärungen für einen Zeitraum von 2002-2012 geltend gemacht. Das zuständige Finanzamt aber berücksichtigte diese Kosten bei der Berechnung der Erbschaftsteuer nicht. Die Erbin klagte daraufhin gegen die Festsetzung des Finanzamtes.

Die Richter bestätigten in ihrem Urteil nun die Einschätzung der Erbin (Urteil vom 15.05.2019 - 7 K 2712/18). Die für die Erstellung der berichtigten Steuererklärungen gezahlten Steuerberatungskosten seien als Nachlassverbindlichkeiten abzugsfähig. Die Verpflichtung des Erblassers, unvollständige Steuererklärungen zu berichtigen, sei durch den Erbfall auf die Klägerin als Alleinerbin übergegangen. Komme diese letztlich ihrer Nacherklärungspflicht nach, erfülle sie “eine bereits bestehende Verpflichtung des Erblassers“. Sie war also zur Berichtigung der Steuererklärungen verpflichtet, sodass sie sich auch die entstandenen Kosten anrechnen lassen dürfe, so das FG.
Eine Berücksichtigung der entstandenen Kosten scheide daher nicht schon deshalb aus, weil diese tatsächlich erst nach dem Erbfall durch die Beauftragung eines Steuerberaters entstanden sind. Vielmehr handele es sich um Kosten, die auch vom Erblasser herrühren. Der Ursprung der Kosten liegt nach Ansicht des Gerichtes bereits vor dem Erbfall.

Nicht maßgeblich sei weiter, dass die Erbin die Erklärungspflichten möglicherweise auch ohne Steuerberater hätte erfüllen können. Der Fiskus habe ihre Entscheidung, einen Berufsträger zu beauftragen, zu akzeptieren. Damit sind auch die Kosten für den beauftragten Steuerberater grundsätzlich abzugsfähig.

Räumungskosten sind nicht zu berücksichtigen

Anders dagegen hat das Gericht hinsichtlich entstandener Kosten bei der Räumung der Eigentumswohnung des Erblassers entschieden. Anders als bei der Nacherklärungspflicht bestehe für die Erbin keine Räumungspflicht, sodass diese Kosten auch nicht im Rahmen der Erbschaftsteuer Berücksichtigung finden müssten.

Vielmehr seien die Kosten aufgrund eines eigenen Entschlusses der Erbin zur besseren Verwertung der Immobilie entstanden. Darin seien aber keine abzugsfähigen Kosten der Verwaltung des Nachlasses zu sehen. Eine Berücksichtigung bei der Erbschaftsteuer scheide damit aus, so das Finanzgericht.  

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https://www.rosepartner.de/erbschaftssteuer.html

 

 

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Rechtsanwalt Helge Schubert

Eingestellt am: 02.09.2019 [46]

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