Fachbeitrag zum Rechtsgebiet Arbeitsrecht von
Rechtsanwalt Dr. Boris Jan Schiemzik

Alte Schauspieler nicht mehr neu befristen: Ja, sagt das Bundesarbeitsgericht

Die Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss und Markus Böttcher der Krimiserie des ZDFs „der Alte“ sind im Rahmen ihrer schauspielerischen Kommissartätigkeit meist mit dem Strafrecht bewandert. In einem Verfahren vor dem Bundesarbeitsgericht ging es für die beiden um klassisches Arbeitsrecht. Kann es sein, dass Schauspieler jahrelang in ein und derselben Serie mitspielen und ihr Arbeitsvertrag dann nicht verlängert wird? Das Bundesarbeitsgericht ist da eindeutiger Meinung.


Festanstellung als Schauspieler sind wie ein Sechser im Lotto


Die Schauspieler spielten jeweils über mehrere Jahrzehnte Rollen in der ZDF-Fernsehreihe „der Alte“. Vom 13./16.10.2014 bis zum 18.11.2014 wurden für die Dreharbeiten der Folgen Nummer 391 und 392 16 Drehtage veranschlagt. Dafür hat die Sendeanstalt mit den beiden Schauspielern sogenannte Mitarbeiterverträge beziehungsweise Schauspielerverträge abgeschlossen, wie es in dieser Branche gängig ist. Später wurde den Darstellern mitgeteilt, dass für sie in der Fernsehserie ab Ende November 2014 Schluss sei.


Dagegen klagten die beiden und waren der Ansicht, dass dieser Vertrag eine unzulässige Befristung nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz darstelle. Nach einer derartig langen Zeit als Schauspieler in der Serie, hätten sie einen Anspruch auf eine feste Arbeitsstelle. Schauspieler Sanoussi-Bliss unterstelle dem ZDF einen Verjüngungswahn.


Die Schauspielerei ist so viel vielfältig wie das Befristungsrecht


Möchte der Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis befristen, so bedarf es neben der zeitlich gebundenen sachgrundlosen Befristung eines sachlichen Grundes. Wenn dieser besteht, ist eine erneute Befristung des Arbeitsverhältnisses grundsätzlich beliebig oft möglich. Allerdings bestehen ab einer gewissen Häufigkeit Zweifel, ob eine weitere Befristung zulässig ist. Die genaue Grenze ist vom Gesetzgeber oder den Gerichten nicht festgelegt.


Nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts muss zwischen dem Interesse des Schauspielers an der Weiterbeschäftigung und der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit der Sendeanstalt abgewogen werden. Einerseits seien die Schauspieler teils schon über 20 Jahre in der Rolle tätig, anderseits müsse die Befristung im Arbeitsrecht verfassungskonform betrachtet werden. Vorrang hätten in diesem Fall die kurzfristigen Fortentwicklungsmöglichkeiten von Fernsehserien des ZDFs.


Befristungen sparen nur dann Geld, wenn man sie richtig gestaltet


Möchte man ein einfaches Arbeitsleben ohne größere Job-Wechsel haben, so ist die Schauspielerei sicherlich nicht die erste Wahl, dafür gibt es ja schließlich das Beamtentum. Arbeitgeber sollten bei Befristungen immer ein Auge offen haben. Bestehen Lücken im Arbeitsvertrag bei den Regelungen über Befristungen, so können diese am Ende sehr kostspielig werden.


Mehr über den Arbeitsvertrag und das Arbeitsrecht finden Sie unter: https://www.rosepartner.de/arbeitsrecht.html

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Rechtsanwalt Dr.Boris Jan Schiemzik

Eingestellt am: 22.10.2017 [424]

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Rechtsanwalt
Dr. Boris Jan Schiemzik

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