Fachbeitrag zum Rechtsgebiet Erbrecht von
Rechtsanwalt Ralph Butenberg

Raus aus der Erbengemeinschaft

Blendet man den Verlust einer in der Regel nahestehenden Person einmal aus, sollten Erbschaften eigentlich eine angenehme Sache ein. Schließlich haben die meisten Erben keine oder nur eine geringe Gegenleistung für die Zuwendung durch den Erblasser erbracht.

Wer sich nach einem Todesfall jedoch in einer Erbengemeinschaft wiederfindet, dem wird die Freude über den vermeintlichen Vermögenszuwachs schnell vermiest. Das hat vielfältige Gründe.

Problem Gesamthandsgemeinschaft

Das Hauptproblem ist die Rechtsnatur der Erbengemeinschaft als Gesamthandsgemeinschaft. Den Miterben gehört nämlich der Nachlass gemeinschaftlich. Erben also zwei Kinder als Miterben von ihrem Vater 1.000 Euro, hat nicht jeder 500 Euro geerbt sondern beide zusammen die 1.000 Euro. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass nicht jeder über „seinen Teil“ verfügen kann, sondern alle gemeinsam entscheiden müssen, was mit dem Nachlass als Ganzem und auch mit den einzelnen Gegenständen und Vermögenswerten in der Erbschaft geschehen soll.

Gibt es keinen testamentarischen Teilungsplan und keine Einigung über eine Aufteilung des Erbes bzw. Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft oder lässt sich der Nachlass schlicht nicht einfach aufteilen, zum Beispiel weil er aus einer Immobilie besteht, ist der Erbstreit in vielen Fällen schon vorprogrammiert. Soll die Immobilie vermietet werden? Darf einer der Miterben sie selbst nutzen? Welche Nutzungsentschädigung soll den anderen dafür gezahlt werden? Maßnahmen der Verwaltung müssen mehrheitlich beschlossen werden. Häufig kommt es dabei zu Pattsituationen. Noch schlimmer sind Verfügungen, also zum Beispiel der Verkauf eines Nachlassobjekts. Diese Geschäfte erfordern Einstimmigkeit in der Erbengemeinschaft.

Die Versilberung des Nachlasses – auch keine Lösung

Ist man sich überhaupt nicht einig, bleibt nur der Weg, die Erbschaft nach und nach zu liquidieren. Nur wenn irgendwann alles zu Geld gemacht wurde, hat man die Möglichkeit, seinen Ausstieg aus der Erbengemeinschaft durch eine Teilungsklage zu erzwingen. In der Praxis funktioniert das regelmäßig nicht. Zwar steht zum Beispiel für Immobilien in der Erbschaft das Instrument der Teilungsversteigerung offen, bei anderen Vermögenswerten ist die Lage aber oft kompliziert.

Oft läuft es im Konfliktfall darauf hinaus, dass die Erben lange Zeit überhaupt kein Geld sehen und stattdessen nur Verwaltungskosten, Anwaltshonorare und Gerichtsgebühren zahlen.

Mit kluger Strategie den Exit finden            

Was können miterben nun tun, um ihre Erbschaft doch noch zu genießen. Zum einen sollten sie – sobald Konfliktpotential vorhanden ist – stets die Möglichkeit in Erwägung ziehen, sich von den anderen Miterben auszahlen zu lassen. Dass kann gegebenenfalls bereits vor der Annahme der Erbschaft geboten sein, um die rechtliche Situation zu vereinfachen. Später sind sowohl ein Verkauf des eigenen Erbanteils an einen anderen Miterben oder eine sonstige Person oder auch ein Ausstieg in Form einer sogenannten Abschichtung möglich.

Dabei muss man sich fragen, was einem der vorzeitig Ausstieg wert ist? Lieber sofort 100.000 Euro oder irgendwann einmal – nach großen zeitlichen, nervlichen und finanziellen Investitionen – 200.000 Euro?

Wer lieber aufs Ganze geht, sollte seine Strategie von den Interessen, Möglichkeiten und Macken der übrigen Miterben abhängig machen. Ist unter ihnen jemand, der dringend Geld braucht, sich keinen guten Anwalt leisten kann und schnell die Nerven verliert? Kommt es einem anderen nur auf das Prinzip an, hat er eh genug Geld und sonst nichts zu tun, so dass er alles aussitzen kann?

Vererben mit Verantwortung

Vor allem aber sollten Erblasser sich darüber bewusst werden, welche Problem sie ihren Angehörigen bereiten können, wenn sie auf ein Testament verzichten oder durch ein Testament bewusst eine Erbengemeinschaft bewirken.

Das immer noch häufigste Testament in Deutschland ist das sogenannte Berliner Testament. Bei dem gibt es im ersten Erbfall keine Erbengemeinschaft, da sich die Ehegatten gegenseitig zum Alleinerben einsetzen. Dafür sind die gemeinsamen Kinder dann im zweiten Erbfall Miterben. Das kann dadurch entschärft werden, dass man den Kindern zumindest einen Teilungsplan im Testament festschreibt. Darüber hinaus gibt es noch das Instrument der Testamentsvollstreckung. Das funktioniert aber auch nur mit einem guten Testamentsvollstrecker, der gut formulierte Anweisungen vom Erblasser bekommen hat.

Nicht ausführlich genug? Hier gibt es weitere Informationen: Erbengemeinschaft

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Rechtsanwalt Ralph Butenberg

Eingestellt am: 26.07.2017 [334]

ROSE & PARTNER
Rechtsanwalt
Ralph Butenberg

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